Der Schussablauf

Um beim Bogenschießen immer annähernd das gleiche Trefferbild (Pfeile eng bei einander) zu erhalten, ist auf einiges zu achten. Dazu zählen die Umwelteinflüsse (Wind, Witterung), die von uns nicht beeinflussbar sind und deshalb korrigiert werden müssen, aber auch die Körperhaltung und die mentale Einstellung beim Schießen, die wir trainieren können. Das A und O des perfekten Schusses ist die Reproduzierbarkeit. Das meint, dass die Phasen eines Schusses, vom Stand bis zum Nachhalten, nach dem gelösten Pfeil immer (annähernd) gleich sind, um so ein gleichmäßiges und enges Trefferbild zu erhalten.

Wir gliedern den Schussablauf in 10 Schritte oder Phasen die wir von Anfang an (schon beim Schnupperkurs) lehren, um so dem oben beschriebenen Ziel nahe zu kommen. Im Folgenden werden wir auf die einzelnen Phasen näher eingehen, die den Schuss beim Bogenschießen reproduzierbar machen.

Phase 0

Die Grundstellung

Man stellt sich an die Schießlinie, so dass diese zwischen den Beinen unter der Körpermitte durchläuft. Der Bogen steht mit der unteren Bogenspitze (Bogentip) senkrecht auf dem vorderen Bein in Richtung Ziel. Die Bogen- bzw. Fingerschlinge wird an der Bogenhand befestigt. Anschließend wird der Pfeil mit der Leitfeder weg vom Bogenfenster in den Bogen eingenockt. Nun greift die Zughand mit einem tiefen Haken in die Sehne (3 unter, bzw. mediterran) wobei die Hand selbst locker und entspannt bleibt. Die Bogenhand greift so in das Mittelstück, dass der senkrechte Bogen entlang der Lebenslinie (daumenseitig) verläuft. Sie hält den Bogen nicht fest, sondern umgreift das Griffstück so, dass Zeige- bis zum kleinen Finger ein kleines "Treppchen" bildet. Nun wird der Bogen leicht angehoben und wir gehen in Vorspannung. Die Vorspannung ist so groß, dass die Zugarmschulter hinter der Bogenarmschulter in Richtung Ziel eine Gerade bildet. Dabei bildet der Zugunterarm mit dem Pfeil annähernd eine Linie. Der Bogenarm ist gestreckt und der Bogenunterarm wird so nach außen gedreht, dass die Position nicht mehr verändert werden muss und ein Lösen der Sehne ohne ein Streifen am Unterarm ermöglicht wird. Die Schulterposition ist tief (Körperachse zu Schulterachse bilden ein "T") und das für den gesamten Schussablauf. Die Atmung ist ruhig und normal (Zwerchfell).

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Phase 1

Der Stand

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Die Füße sind schulterbreit parallel aufgestellt, das Gewicht ist gleichmäßig auf beide Beine verteilt. Sie sind gestreckt, allerdings nicht überstreckt. Das Becken wird nach vorne gekippt. Der Rücken ist gerade (kein Hohlkreuz) und leicht nach vorne geneigt, um das Streifen der Sehne am Oberkörper (Brust) zu vermeiden. Die Vorspannung wird weiter gehalten und es wird darauf geachtet, dass die Schultern weiter tief sind ("T"). Normale Zwerchfellatmung.

Phase 2

Der Kopf dreht sich zum Ziel

Um sich auf das Ziel zu fokussieren und vor allem um zwischen den Schüssen den Fokus wieder vom Ziel weg zu lenken, um zum Beispiel einen schlechten Schuss auszublenden, bzw. den Druck nach einem guten Schuss nicht künstlich zu erhöhen, ist der Blick der(s) Schütz*In bei den ersten beiden Phasen bewusst nicht auf das Ziel gerichtet, sondern natürlich entlang der Schießlinie. Erst in Phase 2 dreht man den Kopf bewusst zum Ziel und sagt dem Unterbewusstsein, "Jetzt beginnt der Schuss". Der Kopf ist dabei in einer natürlichen Haltung, das Kinn weder in Richtung Brust noch wird er künstlich nach hinten gestreckt. Die Drehung erfolgt so weit, dass man über die Schulter der Bogenhand Richtung Ziel schaut. Der Kopf bleibt ab nun in dieser Stellung und wird nicht mehr geneigt, gedreht, die Atmung ist normal.

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Phase 3

Anheben des Systems

Nun wird das gesamte System gleichmäßig angehoben. So dass der Pfeil immer parallel zum Gelände ist, die Spitze des Pfeiles schaut nicht nach unten, aber auch keinesfalls nach oben, bis er etwas über der Schulterhöhe ist. Der Bogenarm bleibt gestreckt und der Unterarm bleibt nach außen gedreht. Die Schultern sind in der ursprünglich tiefen Position und der Zugarm hält die ursprüngliche Vorspannung (vermeidet eine zu hohe Kraftanstrengung beim Ausziehen). Der Ellbogen des Zugarmes befindet sich bei Lang-, Instinktiv- und Blankbogenschützen auf Augenhöhe, beim Recurve- und Compoundbogenschützen auf Nasenhöhe. Beim Anheben wird ausgeatmet, in der Endstellung einmal eingeatmet.

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Phase 4

Ausziehen

Es wird nun der Bogen gespannt, indem man einerseits mit der Bogenhand gegen den Bogen drückt und andererseits mit der Zughand die Sehne zum Kopf des(r) Schütz*In zieht. Das passiert langsam und gleichmäßig aus der Rückenmuskulatur heraus, im Kräfteverhältnis 1/1. Der Druck der Bogenhand gegen den Bogen ist genau so groß wie der Zug der Zughand an der Sehne. Wichtig ist dabei alle vorher eingestellten Positionen des Körpers gleich zu lassen, die Zughand bleibt locker. Beim Ausziehen des Bogens wird ausgeatmet bis zum Ankern.

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Phase 5

Ankern

Die Zugbewegung geht nun weiter bis zum Ankerpunkt. Bei Langbogen-, Instinktivbogen-, und Blankbogenschütz*Innen ist der Ankerpunkt an der Wange (fühlbare Einhöhlung im Wangenknochen), bei Recurve- und Compoundbogenschützen liegt dieser am Unterkiefer hinter dem Kinn. Wichtig ist, dass die Zughand weiter entspannt bleibt, der Daumen hängt locker und entspannt nach unten, um eine Verdrehung dieser  und damit der Sehne zu vermeiden. Es empfielt sich weiters Fixpunkte im Gesicht zu finden die das reproduzierbare Ankern ermöglichen. Einer dieser Punkte ist zum Beispiel die Nase. Zieht man die Sehne immer so weit dass der abgewinkelte Zeigefinger am definierten Punkt am Wangenknochen, bzw. am Kieferknochen anliegt und zur gleichen Zeit die Sehne die Nasenspitze berührt, hat man zwei Kontrollpunkte für das Ankern. Zusätzlich gibt es dann noch die Möglichkeit neben den zwei oben definierten Punkten die Sehne an der Lippe, oder am Mundwinkel anzulegen. Jedenfalls sollte der Ankerpunkt immer gleich sein. Bis zum Ankern wird ausgeatmet um nun die Atmung anzuhalten.

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Phase 6

Zielen

Nachdem bis zum Ankerpunkt ausgezogen wurde und anschließend nicht mehr geatmet wird beginnt der Zielvorgang. Wichtig ist es die Körperspannung zu erhalten um nun mit einer der vier Zielmethoden das Ziel so anzuvisieren, um den Pfeil an die gewünschte Stelle zu platzieren. Wir unterscheiden die intuitive-, die 2- Punkt-, die 3- Punkt- und die 4- Punkt Methode. 

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Phase 7

Rückenspannung erhöhen

Es wird nun die Rückenspannung erhöht. Das heißt das Schulterblatt des Zugarmes bewegt sich zur Wirbelsäule, der Ellbogen geht dabei nach hinten. Das so weit, dass die Sehne aus den eingehakten Fingern gleitet. Die Finger werden nicht aktiv geöffnet, damit die gelöste Sehne nicht versehentlich eine seitliche Abweichung erfährt. Nachdem der Pfeil den Bogen verlassen hat befindet sich die Zughand hinter dem Kopf an der Schulter und der Bogen in der Bogenschlinge, die verhindert dass der Bogen zu Boden fällt, da dieser nicht festgehalten wurde. Sobald der Pfeil die Sehne verlassen hat, beginnt wieder die Atmung (die Restluft wird ausgeatmet, anschl. normale Atmung).

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Phase 8

Nachhalten

Nachdem der Pfeil den Bogen verlassen hat, verharren wir in der Position bis der Pfeil das Ziel getroffen hat, zumindest jedoch für 2 bis 3 Sekunden. Das dient dem Check der nun erhaltenen Position des Körpers und der Speicherung dieses Ergebnisses im Unterbewusstsein. Es wird normal geatmet.

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Phase 9

Absetzen des Systems

In der letzten Phase unseres Schussablaufs wird nun der Bogen und der Zugarm wieder in eine entspannte Haltung nach unten gebracht, um anschließend mit dem nächsten Pfeil wieder bei Phase 0 zu beginnen. Das Ganze bei normaler Zwerchfellatmung.

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